Agrando ist eines der seltenen Start-ups, das trotz der Krise stabil bleibt und weiterhin wächst: Seit sieben Wochen befinden sich alle Teams im Homeoffice. 20 neue Mitarbeiter und Mitarbeiterinnen sind in der Zeit dazu gekommen. Die Produktivität und Motivation sind weiterhin hoch, es werden sogar zusätzlich Ressourcen für Hilfsaktionen bereitgestellt. Wie ist das möglich?


Das Geheimnis liegt in einer sehr wichtigen Position im Unternehmen: dem Chief Technical Officer (CTO). Zu seinen vielen Wirkungsbereichen gehören auch die IT-Infrastruktur und die erfolgreiche Zusammenarbeit im Team. Er sorgt dafür, dass jeder mit den verfügbaren Tools umgehen kann und sie richtig nutzt – auch im Homeoffice. In der aktuellen Lage handelt es sich aber nicht um normales Homeoffice, sondern um “Homeoffice in Isolation”. Zur rein technischen und informativen Komponente kommen kulturelle und soziale Faktoren sowie besondere Ausnahmezustände hinzu.


Jonas Hueber, CTO und Gründer von Agrando, hat sich diesen Herausforderungen mit großem Erfolg angenommen. Im Interview gibt er Einblicke, welche Aufgaben mit der Krise auf ihn zukamen und wie er sie gelöst hat.



Jonas Hueber, CTO und Gründer von Agrando

Blicken wir kurz zurück: Am Sonntag, den 14. März 2020 wurde für Agrando sofortiges Homeoffice mit freiwilliger Selbst-Quarantäne ausgerufen – eine Woche früher als die meisten anderen Münchner Unternehmen. Wie war das von einen Tag auf den anderen machbar?

“Ich habe bereits bei der Gründung von Agrando die Entscheidung getroffen, dass wir auf mobiles Arbeiten setzen und die Arbeit von Zuhause als Teil unserer Unternehmenskultur betrachten. Unsere Infrastruktur sollte von Anfang an so aufgesetzt sein, dass sie ein starkes Wachstum ermöglicht und alle Arbeitsmodelle zulässt. Jeder bei uns ist vom ersten Tag an technisch so ausgestattet, dass er von überall aus arbeiten kann. Zudem arbeiten wir hauptsächlich in der Cloud. Wenn ein Internetanschluss gegeben ist, hat jeder jederzeit Zugang zu allen Informationen und Werkzeugen, die er braucht. Der Umstieg auf vollständiges Homeoffice war also aus technischer Sicht bei uns keine große Herausforderung mehr.”


Wie wurden die Teams auf die neue Situation vorbereitet?

“Da wir sehr international aufgestellt sind und viele englischsprachige Medien lesen, war uns schnell bewusst, dass da eine Ausnahmesituation auf uns zukommt. Somit sind wir sehr früh mit den Teamleitungen in engen Kontakt getreten, damit sie in den Teams aktiv das Gespräch suchen. Sowohl die Teamleiter als auch das Management waren jederzeit für Fragen und Sorgen ansprechbar. Die Mitarbeiter wurden gebeten, alles Notwendige jeden Tag mit nach Hause zu nehmen, für den Fall, dass es kurzfristig zum Umstieg aufs Homeoffice kommt. Außerdem hat jeder ein kleines Gesundheitspaket bekommen, ein Fläschchen Desinfektionsmittel, HOCL-Spray eine Zusammenstellung an Vitamin C, D3 und K2 und Empfehlungen, wie sie ihr Immunsystem stärken können. Das Thema Gesundheit ist uns grundsätzlich sehr wichtig und wir werden von den besten Ärzten beraten. Neben guter Ernährung im Büroalltag gibt es bei uns beispielsweise auch einen Zuschuss zu verschiedenen Sportangeboten in München.”


In den Corona-Ausnahmemonaten März und April 2020 starteten 20 neue Mitarbeiter und Mitarbeiterinnen bei Agrando.


Nun ist das Homeoffice in vorsorglicher Selbst-Quarantäne nicht das gleiche wie normales Homeoffice. Welche Herausforderungen gibt es dabei?

“Beim Homeoffice in Isolation spielt die soziale Komponente eine ganz wichtige Rolle. Gerade für Expats, die erst vor kurzem wegen Agrando aus einem anderen Land zu uns umgezogen sind, ist der soziale Kontakt mit den Arbeitskollegen normalerweise ein wichtiger Start, um Fuß zu fassen. Aber gerade die soziale Isolation und das dauerhafte Arbeiten von Zuhause aus bringen viele weitere Herausforderungen mit sich. Hier bin ich als CTO nicht nur technischer Hilfesteller, sondern auch so eine Art Mentor.

Ich habe damals übers Wochenende einen umfassenden Leitfaden zur Orientierung in der Krisensituation erstellt. Es war mir besonders wichtig, dass die Kommunikation als größter Erfolgsfaktor beim verteilten Arbeiten im Team und teamübergreifend auf die neue Situation angepasst wird. Im Leitfaden habe ich unsere Kommunikationsstrategie erläutert, wie sich Prozesse verändern und die Teams sich am besten strukturieren können, wie man dauerhaft effektiv von Zuhause aus arbeitet und welche Anti-Isolationsmaßnahmen empfehlenswert sind.”


Welche Anti-Isolationsmaßnahmen sind das zum Beispiel?

“Zum einen haben wir einfache Mittel etabliert, wie zum Beispiel einen digitalen Kanal für den täglichen “Guten Morgen” und “Auf Wiedersehen”-Gruß. Es gibt gemeinsame virtuelle Kaffeepausen oder Mittagessen. Wir haben den Mitarbeitern auch gezielt ermöglicht, ihre Erfahrungen im Homeoffice zu teilen um voneinander zu lernen.

Außerdem haben wir frühzeitig eine “Social Task Force” gegründet. Diese hat sich dem Thema soziale Isolation im Detail gewidmet. So wurde beispielsweise ein kleines Programm etabliert, das zwei Mitarbeiter per Zufallsgenerator zu einem kurzen Plausch zusammenbringt. Indem man sich ganz ungezwungen per Videokonferenz trifft, lernt man sein Gegenüber in der heimischen Umgebung kennen – das ist etwas ganz Besonderes, das in einer normalen Büroumgebung so nie stattfinden würde. Diese Tools und vieles mehr werden wir auch nach einer Lockerung der gegenwärtigen Situation beibehalten.”


Social Media Managerin Beatrice Burpich berichtet: Mein Start bei Agrando – am ersten Tag direkt ins Homeoffice


Wie sind die neuen Strukturen in den Teams angekommen? Funktioniert alles so, wie gehofft?

“Tatsächlich funktioniert es sogar besser, als ich ursprünglich angenommen hatte. Nach der ersten Woche war ich schlichtweg begeistert – was hauptsächlich an unseren grandiosen Teams selbst liegt. Nach sieben Wochen fällt mein Fazit nicht anders aus. Ich bin erstaunt darüber, wie nah ein vollständiges Homeoffice unsere Standorte zueinander gebracht hat. Gerade das team- und standortübergreifende Arbeiten hat sich aufgrund der neuen Impulse stark verbessert. Aber auch gerade dadurch, dass Teamleiter Meetingstrukturen und Kommunikation neu denken mussten, arbeiten wir nun viel effizienter als jemals zuvor. Wir bündeln so viel Engagement und Initiative in unserem Unternehmen, dass sich alle gegenseitig inspirieren. In den letzten Wochen kamen mehrere Hilfsprojekte und Gemeinschaftsaktionen hinzu, die für jeden offen stehen. Beispielsweise ist so auch eine tägliche Yoga-Session am Mittag entstanden, es finden sporadische Gesellschaftsspiel-Abende statt, gemütliche Treffen auf ein Online-Feierabendbierchen und mehr.”


Seit Beginn der Krise wurden neue Produkte wie das Agrando Widget entwickelt und zwei Hilfsaktionen gestartet. Wie schafft das Agrando?

“Unser Team ist einfach extrem stark, hochmotiviert und arbeitet sehr effizient. Deshalb konnten wir bisher alle Ziele erreichen – teilweise sogar übertreffen –, die wir uns vor der Krise gesetzt hatten. Außerdem stellen wir im Wochentakt neue Teammitglieder ein. Nachdem wir sie technisch ausgestattet haben, werden sie persönlich digital eingearbeitet, damit sie ab dem ersten Tag alles bedienen können. Als uns die ersten Firmen um Unterstützung baten, haben wir ganz selbstverständlich mit angepackt. Diese Teamdynamik ist etwas, das uns ganz besonders auszeichnet und das mir sehr am Herzen liegt. Damals wie heute habe ich persönlich viele Mitstreiter für Agrando gewinnen können. Die meisten davon sind heute noch an Board und ich freue mich über jeden, der zu uns ins Agrando Team stößt und uns mit seiner Motivation, seinem Wissen und seinem Pioniergeist voranbringt.”


Wie geht es in den kommenden Wochen weiter? Worauf stellt sich Agrando ein?

“Zum einen werden noch mehr Teamkollegen dazustoßen, weshalb wir unsere Onboarding-Prozesse kontinuierlich weiterentwickeln müssen. Parallel arbeiten wir an einer Lösung, wie wir uns nach der strikten Homeoffice-Phase auch räumlich vergrößern können. Unsere Büros würden aus allen Nähten platzen, wenn wir auf einmal alle wieder zurückkehren würden. Außerdem arbeiten wir daran, den internen Wissensaustausch noch stärker zu fördern. Uns ist es enorm wichtig, dass sich jeder “Agrandoid” persönlich wie fachlich weiterentwickeln kann. Wir bündeln mittlerweile so viel Expertise auf den unterschiedlichsten Gebieten, dass wir eine eigene Agrando Academy gründen werden. Wie auch immer es weitergeht in diesen Zeiten – mit diesem Team schaffen wir alles!”